Nach der turbulenten Entstehungsgeschichte, folgt hier nun die nicht minder aufregende Erzählung der Geburt unseres F-Wurfs. Das Ganze lief zunächst völlig nach Plan. Hermine wurde kugelrund, hatte Riesenhunger und fühlte sich super. In der letzten Woche wurden die Gassigänge zwar augenscheinlich anstrengend, aber sie hatte trotzdem große Freude - auch und gerade, weil es dabei ja weitere Leckerchen gibt.

Dann am Samstag der große Schreck: Hermine hatte grünlichen Ausfluss. Das ist immer ein Alarmsignal und wir sind deshalb sofort mit ihr zum Notdienst gefahren. Die Tierärztin hat unsere Befürchtung bestätigt, dass die Farbe sehr eindeutig auf die Ablösung einer Plazenta hinweist. Also wurde das Ultraschallgerät zur Hand genommen, um nachzusehen, was drin los ist.

Zunächst mal ist ein Ultraschall mit so weit entwickelten Welpen ziemlich beeindruckend! Sie sind riesengroß, wirken dreidimensional und man kann kleine Schnäuzchen und Rippenbögen perfekt erkennen. Der erste Welpe, den wir dann angeleuchtet haben, hatte keinen Herzschlag. Aber danach folgten mindestens zwei Welpen mit sehr kräftigem Herzschlag zwischen 200 und 230. Nun gab es zwei Optionen.

Die erste war, direkt einen Kaiserschnitt zu machen. Die Welpen waren knapp weit genug entwickelt, aber man darf das Risiko nicht unterschätzen. Durch den fehlenden Geburtsvorgang faltet sich die Lunge nicht so gut auf und manchmal hat der kleine Wurm dann Schwierigkeiten, im Leben draußen gesund anzukommen. Zudem geht mit dem Kaiserschnitt ein Risiko für die Hündin einher und eine relativ große Gefahr, dass man direkt mit kastriert. So ist es uns ja mit Coco auch ergangen. Von Coco haben wir auch gelernt, dass die Welpenzeit nicht so unbeschwert beginnt, wenn das emotionale Erlebnis fehlt. Coco hat den C-Wurf sehr liebevoll groß gezogen, aber es ist einfach nicht der vorgegebene Weg.

Die zweite Option ist: Hündin mitnehmen, mit Antibiotika versorgen und engmaschig Temperatur, Ausfluss und eventuelle Auffälligkeiten überwachen. Diese Option birgt Risiken für die übrigen Welpen, da man ja nicht weiß, woran der Welpe gestorben ist. Es könnte eine Infektion sein, die dann Zeit hätte, weitere Welpen zu erwischen. Es ist aber auch möglich, dass ein anderer Grund vorlag und dann gefährdet der Welpe die Umgebung bei Antibiotikaeinsatz fast überhaupt nicht. Für die Hündin ist diese Option definitiv die risikoärmere, denn bis sie Schwierigkeiten bekäme, würde man in jedem Fall Anzeichen bemerken und hätte dann immer noch alle Option inklusive Kaiserschnitt.

Keine leichte Entscheidung, auch weil die Tierärztin im Notdienst keine eindeutige Position einnahm und uns begreiflicherweise nicht zu einer der beiden Lösungen raten wollte. Sie ging nochmal mit einer Spezialistin telefonieren und schon währenddessen haben wir uns beide angesehen und gewusst: Jetzt und hier wird kein Kaiserschnitt gemacht. Mit sehr flauen Gefühl sind wir also mit Herminchen wieder heim gefahren. Der Sonntag war dementsprechend sehr unentspannt. Wir lasen viel, hörten Geschichten von befreundeten Züchtern, wo ähnliche Situationen gut ausgegangen sind, lasen welche, wo es schief ging und machten uns ganz schön viele Sorgen. Auch wie wir und Hermine emotional mit dem toten Welpen umgehen würden, belastete uns sehr. Die engmaschige Überwachung wurde dementsprechend maximal engmaschig und wir haben wohl kaum einen Huster, Dreher oder eine Bewegung von Hermine verpasst.

Montags morgens begann der Nestbau und wir waren vorsichtig optimistisch, dass die Geburt bald einsetzen würde. Tagsüber steigerten sich die Anzeichen - hecheln, budddeln, Appetitverlust, unzählige Häufchen und sie ließ die anderen Hunde auch nicht mehr in den Bereich der Wurfkiste schauen. Jetzt waren wir relativ sicher: nachts oder am nächsten Vormittag würde die Geburt einsetzen. Um zehn Uhr abends ging sie noch die Gassirunde mit, wirkte aber aufgeregt und wollte das alles schnell hinter sich bringen. Tatsächlich wurde um 23.05 der erste gesunde Welpe geboren. Völlig unproblematisch und als Martin in die Wurfkiste sah, war er bereits vollständig geboren und nur noch an der Nabelschnur angedockt. Nachdem er abgenabelt war und Hermine sich kümmerte, fiel plötzlich alle Anspannung der letzten Tage ab. Zu allem Glück war es auch noch eine Hündin - die Herminetochter, die wir uns so lange gewünscht haben. Gesund, guter Apetit, 265 Gramm schwer. Fabelhaft! Ab jetzt wollten wir die Geburt und all das wunderbare daran in vollen Zügen genießen.

Recht zügig danach setzen die Wehen erneut ein und Hermine brachte um 0.30 Uhr eine zweite Hündin zur Welt. Ebenso aktiv, 243 Gramm schwer und wir schwebten vor Freude auf Wolke 7. Mit der Nachgeburt kam auch der verstorbene Welpe zur Welt. Hermine hat ihn angeschnuppert, angestupst und sich dann um die beiden anderen Welpen gekümmert. Es war viel weniger furchtbar, als wir erwartet hatten, wenn es auch traurig war, dass dieser kleine Hund es nicht geschafft hatte. Er war völlig fertig entwickelt, fast gleich groß mit den beiden Hündinnen, nur leider tot.

Hermine legte sich zu einem kleinen Nickerchen hin, aber man konnte noch deutlich einen weiteren Welpen tasten. Um 1.45 Uhr kam er zur Welt - Hintern voran und nur teilweise aus der Fruchtblase ausgewickelt, hat er einen großen Schluck Fruchtwasser geschluckt. Nach einigen Schleckern und einem helfenden Wischen durchs Gesichts von uns war er jedoch völlig in Ordnung und quakte gleich fröhlich drauf los. Nach dem Abnabeln die Überraschung, ein sehr kräftiger Rüde mit fülligen 298 Gramm!

Die Geburt war trotz der immensen Anspannung ein schönes Erlebnis und rückwirkend betrachtet, sind wir endlos glücklich die richtige Entscheidung beim Tierarzt getroffen zu haben. Nun steht einer glücklichen Welpenzeit nichts mehr im Weg.

Familie F ist sauber und trocken
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